Standpunkt: Wetterkunde
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Schon im letzten Jahrhundert, als es noch keine Medien wie Rundfunk, Fernsehen oder das Internet gab, mußten speziell Bauern und Landwirte eine Möglichkeit finden, das Wetter besser vorhersagen zu können. Also beobachteten sie sorgfältig das Wettergeschehen über viele Jahrzehnte hinweg und schrieben diese Beobachtungen nieder. Aus diesen Aufzeichnungen entstanden dann nach und nach die Bauern- und Wetterregeln. So ist es den Bauern möglich geworden, ihre Arbeiten, wie zum Beispiel die Aussaat und Ernte, auf Tage zu verlegen, an denen das Wetter in der Vergangenheit beständig war.
Aber nicht nur hierzulande beschäftigte man sich schon früh mit den Wetterdeutungen. Aus der Literatur geht hervor, daß schon die Babylonier, die Ägypter, die Griechen und die Römer sich mit der Deutung des Wetters befasst haben.
Vor über 300 Jahren schrieb der Abt Dr. Mauritius Knauer den
100jährigen Kalender, der auch über unser heutiges Wetter Bescheid wissen soll. Der Abt beobachtete das Wetter zwischen 1652 und 1658 und stellte dann die Behauptung auf, das Wettergeschehen wiederhole sich alle 7 Jahre. Obwohl dies nicht zutrifft, konnte sich der Kalender halten, weil in den Beobachtungen natürlich auch viele Regelfälle des Jahresablaufs (Singularitäten) enthalten sind.
Erklärungen im Falle einer Nichtbestätigung der Regel. Dazu 10 Beispiele:
1. Beispiel:
Dieses Beispiel sagt also eine Schönwetterperiode im Zeitraum Anfang November voraus. Es können sich dann häufiger Hochdruckgebiete über Europa halten und für Sonnenschein sorgen. Dieser Zeitraum wird deshalb auch als Nachsommer bezeichnet. Aber auch bei solch schönem Wetter ist es mit Temperaturen unterhalb von 10 Grad auf jeden Fall kalt, da es in den meist klaren Nächten stark abkühlt.
2. Beispiel:
Für diese Regel konnten wir nirgends eine Bestätigung finden: Es lassen sich von der Wetterlage am 11. November keine Rückschlüsse auf den folgenden Winter ziehen.
3. Beispiel:
Diese Bauernregel hält der wissenschaftlichen Betrachtung - zumindest teilweise - stand: Ist es um den 25.11. zu trocken, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit (über 80 Prozent!) auch der Februar zu trocken. Auch bei zuviel Feuchtigkeit um den 25.11. wird der Februar zu feucht. Ein Zusammenhang mit dem Neujahrstag findet sich allerdings nicht.
4. Beispiel:
Auf den ersten Blick ein eher unwahrscheinlicher Zusammenhang, den die mittelalterlichen Wetter-Weisen da aufgestellt haben. Aber tatsächlich bestätigen die langjährigen Wetteraufzeichnungen diese Regel: Je häufiger es Anfang November friert, desto mehr Regentage gibt es im Januar. Und das mit einer erstaunlichen Treffergenauigkeit von rund 80 Prozent.
5. Beispiel:
Die langjährigen Wetterstatistiken zeigen: Ist es bis zum 6. Januar deutlich zu mild, dann bleibt es auch mit 70 % Wahrscheinlichkeit den Rest des Monats wärmer als normal. Auch der Februar ist zu 60 % zu mild. Ist es zu kalt und liegt eine Schneedecke, dann ist mit 80 % Wahrscheinlichkeit auch insgesamt ein zu kalter Januar zu erwarten.
6. Beispiel:
Diese Bauernregel läßt sich anhand der Wetteraufzeichnungen nicht bestätigen.
7. Beispiel:
Diese beiden Regeln lassen sich gut bestätigen. Ist das Wetter Mitte August noch schön, so wird es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bis Ende August auch schön bleiben (70-80 %). Die Ursache ist die Erhaltungsneigung der Atmosphäre. Hat sich erst einmal ein Hoch in Mitteleuropa festgesetzt, bleibt es meist auch bis Ende des Monats.
8. Beispiel:
Besonders viele Bauernregeln versuchen einen Zusammenhang zwischen einem warmen August und einem eisigen Winter herzustellen. Doch diese Regeln lassen sich nicht bestätigen, da nach einem überdurchschnittlich warmen August mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin 75 Prozent meist ein zu milder Februar folgt. Zu dieser Erkenntnis kommt aber auch eine andere Wetter-Weisheit: Wie der August war, wird der künftige Februar.
9. Beispiel:
Es gibt tatsächlich einen Zusammenhang zwischen einem kalten Oktober und einem warmen Januar. Entscheidend dafür ist wahrscheinlich die Ausgangssituation für die Winterwetterlage. Ist der Oktober um mindestens 1,5 Grad zu kalt, dann wird der Winter mit 70% Wahrscheinlichkeit zu warm ausfallen. Ist der Oktober dagegen zu warm und zu trocken (mindestens 1,5 Grad wärmer als normal), dann ist mit 90% Wahrscheinlichkeit ein zu kalter Winter und besonders ein zu kalter Januar zu erwarten.
Die Erklärung des erstaunlichen Ergebnisses: Gibt es im Oktober häufig Hochdruckwetterlagen, so ist im Januar ebenfalls mit Hochdruckwetter zu rechnen. Im Herbst ermöglichen diese viel Sonnenschein, Trockenheit und Wärme. Im Januar jedoch sorgen sie für bittere Kälte.
10. Beispiel:
Diese "Weisheit" trifft in der gesamten kalten Jahreszeit zu und lässt sich durch einfache Physik erklären: In sternenklaren Nächten kühlen sich Boden und Luft stärker ab als bei einem bedeckten Himmel. Wolken bremsen nämlich die Abstrahlung der Wärme in den Weltraum. Zudem werden im Oktober die Nächte merklich länger und somit verkürzt sich die Zeit der Erwärmung durch die Sonne. Nachts kann deshalb schon Frost auftreten. Am Boden sogar an ungünstigen Stellen bis -5 Grad!
100jährigen Kalender.







